Ein unberührter Naturpark

Kellerwald-Edersee

Der Kellerwald ist ein Mittelgebirge in Hessen, Deutschland. Er liegt im Zentrum des Westhessischen Berg- und Senkenlands und ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges.

Was einst als Feind des Menschen galt, ist heute sein Freund geworden – die Natur. Und dazu zählen nicht nur die Bäume und Wälder, die Blumen und Wiesen, Auen und Parks, son- dern auch die Tiere, die das ökologische Gleichgewicht halten. Somit kann man auf kein einziges Lebewesen verzichten, denn alles ist ein Teil eines in sich geschlossen Ökosystems. Um solche Gebiete den Eingriffen und der Zerstörung durch den Menschen zu entziehen, werden sie genau beschrieben und zu Schutzzonen erklärt.

Die Nationalparks, nur eine Form dieser Maßnahmen, dienen dazu, sie der Nachwelt zu erhalten und ihre Unversehrtheit zu wahren. Daher werden keinerlei land- oder forstwirtschaftliche Tätigkeiten gestattet, es sei denn, sie dienen der Pflege und dem Erhalt bestehender Kulturlandschaften (z. B. Wiesen). Eine andere Aufgabe ist die Eliminierung der Neobiota, die mangels Fressfeinden das Ökosystem empfindlich stören. Das geht einher mit der Neuansiedlung heimischer, aber durch Jagd oder Umweltzerstörung lokal ausgestorbener, Arten. Die dritte Zielstellung ist die Aufklärung und Schulung der Menschen über die Sensibilität und Lebensnotwendigkeit unserer Natur. Aber trotz aller fachlichen und sachlichen Prioritäten ist eines sicherlich am augenscheinlichsten – die phänomenale Schönheit eines gesunden Waldes mit allen biologischen und ökologischen Besonderheiten.

Kellerwald der größte Buchenwald Europas

Der Naturpark Kellerwald-Edersee bildet darin gewiss keine Ausnahme. Mit seinem ca. 6.000 Hektar zusammenhängenden Buchenwald ist er der größte dieser Art in Europa. Geologisch betrachtet ist der Kellerwald ein Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Flüsse wie die Eder gruben sich tief in den Schiefer und Sandstein und schufen so diese abwechslungsreiche und sehr hügelige Landschaft. Allerdings ist sie karg, und die Hänge und Bergkuppen sind übersät mit Steinen und Geröll. Die fette Erde sammelt sich in den Tälern, wo üppiges Grün gedeiht. Diese floristische Vielfalt findet sich auch in der Fauna wieder. Als Jagdrevier seit Jahrhunderten berühmt, konnte der Keller- wald einen ungewollten Beitrag zum Erhalt dieses wertvollen Baumbestandes leisten. Durch die als Forst nicht infrage kommenden herrschaftlichen Areale kapitaler Hirsche und Rehe, waren die Buchen geschützt. So gibt es über dreißig Prozent an Bäumen, die mehr als 150 Jahre alt sind. Das ist einzigartig und zieht weitreichende Konsequenzen für Vögel und Insekten nach sich.

Doch die wahren Beherrscher des Waldes sind die Rothirsche. Wer schon einmal in der Abenddämmerung durch die schlanken Säulen der Rotbuchen diese majestätischen Tiere sah, glaubt es sofort. Neben ihnen gibt es noch Rehe, Wildschweine, Dammhirsche und Mufflons im Kellerwald. Eine Besonderheit stellen die seit den 1990er Jahren in Deutschland vereinzelt auftretenden Wölfe dar. Aus Polen eingewandert, hielten sie sich anfangs in den verlassenen Truppenübungsplätzen in Sachsen und Brandenburg auf. Mittlerweile sind sie auch im Kellerwald nachgewiesen. Die Gesamtpopulation wächst zusehends. Weitere Besonderheiten dieses Nationalparks sind die Bestände an Fuchs, Dachs und Marder. Auch Waschbären breiten sich aus. Selbst Wildkatzen wurden gesichtet.

Aber nicht nur Säugetiere bevölkern diese Wildnis, auch Vogel durchstreifen das Gebiet. So sind Greifvögel wie Milan, Bussard, Sperber, Falke und Ha- bicht oft zu sehen. Der Edersee lockt hin und wieder auch den Fischadler an. Eher selten beobachtet man einen lautlosen Gleiter, den Riesen der Nacht – den Uhu. Auch der Schwarzstorch und alle möglichen Arten von Spechten, Schnepfen, Käuzen und Singvögeln fühlen sich heimisch. Man könnte noch weitere Seiten füllen, wollte man eine faunistische Gesamtschau aufzeigen, und man endete vielleicht bei einer Kostbarkeit der Nationalparkquellen, bei Dunkers Quellschnecke. Aufgrund ihrer eher kleinen Statur, sie ist nicht größer als ein Streichholzkopf, wird der Wanderer sie übersehen.

Auch in der Pflanzenwelt gibt es einiges zu entdecken, vor allem mit dem Vorteil, dass diese zarten und sensiblen Lebewesen nicht wegrennen. So ist ein Buchenschleimrübling oder ein Ästiger Stachelbart schon eine Reise wert. Wer solcherlei Preziosen als Reisebegründung anführt, bedarf keiner Ermutigung für das Erwandern dieser schönen Landschaft.

Ausgehend von einer historischen Mühle, die entweder den Vorstellungen ängstlicher Zeitgenossen einer krabatschen Mühle entspricht, oder eher der Schwärmerei ewiger Romantiker als Vorlage dient, ist das Erkunden dieses Naturparks zu allen Seiten möglich. Heute ist die Mühle ein sehr gemütliches und exklusives Hotel, was allerlei Möglichkeiten der Entspan- nung und der Freizeit bietet – immer in Einklang mit der Natur. So gibt es einen Naturbadeteich, der durch einen Wasserfall gespeist wird. Wenn es nicht so idyllisch wäre, man könnte es direkt kitschig finden. Ausgehend von diesem Fleckchen bieten sich drei größere Wanderrouten an. Die Mühlenwanderung führt geschichtlich durchs Lengeltal. Auf einem uralten Pflasterweg geht es immer am Bach entlang, vorbei an alten Mühlen, Teichen, Orchideenwiesen und uralten Brücken. Ziel ist eine Raubritterburg, zumindest das, was von ihr übrig ist.