Baustil

Backsteingotik

Die Backsteingotik ist eine vorrangig in Norddeutschland verbreitete Bauweise der Gotik, die im 12. Jahrhundert mit der Verwendung von Backstein als Baustoff entstand.

Backsteingotik ist ein Baustil, der überwiegend in Norddeutschland, vor allem entlang der Ostseeküste verbreitet ist. Er schloss sich der im 12. Jahrhundert aufkommenden romanischen Backsteinarchitektur an und ging im 16. Jahrhundert in die Backsteinrenaissance über, wobei die Grenzen fließend sind.

Handgefertigte Ziegel aus Lehm ersetzten im Mittelalter zunehmend die Verwendung von Naturstein in Norddeutschland, da das Ausgangsmaterial im Gegensatz zum Naturstein im Flachland reichlich vorhanden war. Bei der Gestaltung setzte man Aufgrund der Ziegelform stärker auf Flächenstrukturierung, Friese und ornamentale Anordnungen. Einige der Backsteine wurden auch schwarz glasiert.

Aufgrund der beschränkten Gestaltungsmöglichkeiten kamen mit fortschreitender Entwicklung der Herstellungstechniken Formsteine hinzu oder man kalkte einzelne Flächen weiß. Der gotische Stil zeichnete sich durch schlichte und reduzierte Fassaden aus, wobei die Gebäude selbst wuchtig und monumental wirken sollten. Türme waren mächtig gebaut und in der flachen Landschaft gut zu erkennen. An der Küste dienten sie dem Schiffsverkehr auch als Orientierungshilfe.

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Noch heute prägen zahlreiche Stadttore, Mauern, Wallanlagen, Rathäuser, Klöster, Münster, Kirchen und bürgerliche Giebelhäuser aus meist rotem Backstein die Städte der Küstenregion Deutschlands, Polens, Litauens und Estlands. Nach Norden erstreckt sich das Verbreitungsgebiet über Dänemark, Schweden und Finnland. Die repräsentativen Gebäude geben Zeugnis von der Macht und dem Reichtum der im Mittelalter vorherrschenden Hanse. Ihre Verteilung deckt sich weitestgehend mit dem Verbreitungsgebiet der einflussreichen Handelsgemeinschaft und ist für das Bild des norddeutschen Kulturraums mit prägend. Viele der Bauwerke haben sich zu Wahrzeichen einer Stadt oder Region entwickelt.

So wie das Bad Doberaner Münster, das zu den bedeutendsten hochgotischen Backsteinbauten Mecklenburgs zählt. Das Doberaner Münster ist die Kirche des 1186 gegründeten Zisterzienserklosters und verfügt über die reichste mittelalterliche Ausstattung aller Zisterzienserklosterkirchen in Europa. In der Klosteranlage befinden sich zahlreiche beeindruckende backsteingotische Schätze, unter ihnen das Wirtschaftsgebäude, die Wolfscheune, das Kornhaus und das Beinhaus. Sie werden umrahmt von einer 1,4 km langen, fast vollständig erhaltenen Ringmauer mit deren vier Toren.

Europaweit wurden mittlerweile zahlreiche Gebäude der Backsteingotik zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. In Deutschland gehört seit 1987 die gesamte Lübecker Altstadt mit dem Holstentor als Wahrzeichen und der markanten Stadtsilhouette mit den sieben Türmen der Hauptkirchen dazu. 2002 wurden auch die Historischen Altstädte von Stralsund und Wismar mit ihren vielen Einzeldenkmale aufgenommen, um nur einige zu nennen.

Die Europäische Route der Backsteingotik ist ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit dem Ziel, die dicht beieinander liegenden Küstenstädte für Individualreisende zu verbinden und die Städte untereinander besser zu vernetzen. Die Route reicht von Schweden über Dänemark, Deutschland und Polen bis nach Litauen, Lettland und Estland. Auch die in kleineren Ortschaften und Dörfern im Landesinneren verborgenen Schätze der Backsteingotik gilt es dabei zu entdecken.

Im 19 Jahrhundert griffen Architekten wie Friedrich August Stühler (St. Bartholomäuskirche, Berlin), Simon Loschen (Bürgermeister-Schmidt-Gedächtniskirche, Bremen) und Karl Friedrich Schinkel (Friedrichwerdersche Kirche, Berlin) die Backsteingotik wieder auf und verhalfen ihr als Neogotik zu neuer Blüte. Neogotik. Vorrangig in der Zeit von 1830 bis 1900 errichtete man in neugotischem Stil vor allem Kirchen, Parlamente, Rathäuser und Universitäten, aber auch andere öffentliche Bauten wie Postämter, Schulen oder Bahnhöfe, um an die Freiheit und Geisteskultur der mittelalterlichen Städte anzuknüpfen.

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Schlagworte zu Backsteingotik

Denkmalschutz, Hanse, Lübeck, Mittelalter, Neogotik, Ostsee, Weltkulturerbe, Wismar, Backsteingotik, Baustil

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geschrieben am 09.3.2011
Kategorie: Kunst und Kultur
Tags: Denkmalschutz, Hanse, Lübeck, Mittelalter, Neogotik, Ostsee, Weltkulturerbe, Wismar
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