SPESSARTRÄUBER

Auf den Spuren der Spessarträuber

Es lohnt sich Deutschlands größtes zusammenhängendes Laubmischwaldgebiet zu entdecken, das sich über 2.400 km² teilweise im südlichen Hessen, teils im nördlichen Bundesland Bayern erstreckt. Eingebettet zwischen den Flüssen Main, Kinzig und Sinn ist der Spessart ideal für ausgedehnte Wanderungen, Erholung und Entspannung.

Der Spessart hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zunächst war er kaiserlicher Bannforst, also zur Jagd vorgesehen. In der Folge waren jahrhundertelang die Mainzer Erzbischöfe die Landesherren. Erst ab dem 12. und 13. Jahrhundert duldeten sie die Besiedlung. Der Spessart wurde immer von außen regiert: nach dem Erzbistum Mainz durch das Hochstift Würzburg sowie einige kleinere Herrschaften, wie zum Beispiel die Grafen von Rieneck. Die politische Zersplitterung ohne grenzübergreifende Strafverfolgung begünstigte das Aufkommen von Räuberbanden. Belegt sind die Spessarträuber am Anfang des 19. Jahrhunderts, denen Wilhelm Hauff 1828 mit der Erzählung „Das Wirtshaus im Spessart“ und Kurt Hoffmann 1958 mit dem gleichnamigen Film ein Denkmal setzten. In den Zeiten des Zusammenbruchs des Deutschen Kaiserreichs erlebte das Räuber(un-)wesen im Spessart einen letzten Höhepunkt. Durch Neuordnung der Territorien und wirksamere Verwaltungen wurde das Räuberproblem in kürzester Zeit bereinigt.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss endete das Kurfürstentum Mainz, der Spessart kam zum Fürstentum Aschaffenburg, später dann Großfürstentum Frankfurt. Schließlich wurden Großteile dem Königreich Bayern zugeschlagen. Auch heute noch ist der Spessart aufgeteilt in vier Landkreise in zwei Bundesländern.

Der geschichtliche und reale Hintergrund des Grimmschen Märchens von Schneewittchen wird ebenfalls im Spessart angesiedelt.

Der Spessart verfügte neben einer wenig ertragreichen Landwirtschaft über Ressourcen wie Holz, Wasserkraft, Salz, Erze und Mineralien. Diese Faktoren bildeten die Grundlage für Köhler, Töpfer, Eisenhämmer und Bergwerke.

Die Glasprodukte und Spiegel aus Spessarter Glashütten wurden europaweit vertrieben. Noch heute ist in Lohr eine Glashütte in Betrieb.

Der Spessart war durchzogen von vielfältigen Handelswegen, aus denen die Landesherren Zolleinnahmen erzielten. Die vielen Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser bezeugen durchaus prosperierende Zeiten.

Frammersbacher Fuhrleute zogen von hier aus durch ganz Europa. Mit dem Ausbau der Eisenbahn und verbesserter Flussschifffahrt wurde Ihnen allerdings im 19. Jahrhundert zunehmend die Arbeitsgrundlage entzogen.

Mit der industriellen Revolution geriet der Spessart, wie die meisten Mittelgebirge, wirtschaftlich ins Hintertreffen. Verbesserte und billigere Transportwege erlaubten den Absatz günstigerer Waren aus den großen Zentren in die entlegensten Winkel. Der Spessart verarmte zusehends.

Einen guten Eindruck und informativen Überblick über die Geschichte und das Leben im Spessart in den verschiedenen Jahrhunderten gibt das Spessartmuseum in Lohr.

Die Ausstellungen sind didaktisch sehr gut aufbereitet und auch mit Kindern gut zu besuchen. Allerdings sollte man die Besuchszeit nicht zu knapp bemessen. Auch das alte Handelsstädtchen Lohr am Main ist mit seinen malerischen Alt stadtgässchen einen ausgedehnten Bummel wert. Auch Marktheidenfeld, Wertheim, Miltenberg, Klingenberg oder die alte Residenzstadt Aschaffenburg empfehlen sich als attraktive Ausflugsziele.

Bekanntestes Bauwerk im Spessart ist das Schloss Mespelbrunn, ein romantisches Wasserschloss. Es war der Wohnsitz des Geschlechts der Echter, die im nahen Aschaffenburg mit Verwaltungsaufgaben des Erzbistums Mainz betraut waren. Mespelbrunn liegt so abgelegen, dass es nie zu kriegsbedingten Beschädigungen oder Zerstörungen kam.

Sehenswert sind auch die dreischiffige gotische Wallfahrtskirche von Hessenthal mit einer bedeutenden Kreuzigungsgruppe von Hans Backoffen, einem Riemenschneider- Altar und der Grabkapelle der Echter von Mespelbrunn, die karolingische Vierungskirche in Neustadt am Main, das Schloss Luitpoldshöhe, das 1889 vom Prinzregenten Luitpold von Bayern im Rohrbrunner Forst als Domizil für seine Jagdgesellschaften im Spessart gebaut wurde. Seit 1996 ist es ohne Nutzung, seine Zukunft ist unklar.

In Sommerkahl schließlich kann mit der Grube Wilhelmine ein ehemaliges Kupferbergwerk besichtigt werden.

Zwischen Würzburg und Schweinfurt liegt Schloss Werneck, eines der berühmte- Bauwerke von Baltasar Neumann.