Anfangs war es nur ein Speicher voll rostiger Liebhaberstücke, die man nicht wegwarf, aber zu Hause auch nicht mehr wollte. Aber nach und nach wurde das historische Gebäude wieder hergerichtet, die Zeitzeugen vergangener Jahrzehnte restauriert und alles Besuchern zugänglich gemacht.
So entstand ein richtiges Museum, was Geschichte vermittelt und Begeisterung weckt. Die Interessen der Vereinsmitglieder sind vielfältig. So ist ein Teil des Museums besonders dem Motorrad- und Mofabau der DDR gewidmet, insbesondere der Geschichte des historischen Fahrzeugherstellers Simson in Suhl.
Andererseits setzt das Museum auch Schwerpunkte in der Dokumentation von Vorkriegs-PKWs. Neben ca. 100 Motorrädern und 10 PKWs der Baujahre 1924 bis 1970 sind auch Stationärmotoren zu sehen. In der Ersten Etage sieht man die Vorkriegsmaschinen, wie sie einem noch deutlich aus Filmen oder den Wochenschauen bekannt sind.
Kradmelder, durch den Schlamm pflügend und Dreckfontänen aufspritzend, röhren durchs Gedächtnis. Man sieht ihre ledernen Fahrermäntel und die Helme mit den aufgesetzten Fliegerbrillen. Motorradfahren war damals noch harte Arbeit. Nach dem Krieg begann im zweigeteilten Deutschland auch eine individuelle Fahrzeugherstellung.
So fanden besonders die Mofas der Firma Simson besonderen Anklang. Die Firma selbst, durch zwei jüdische Brüder 1856 gegründet, durchlief eine wechselvolle Geschichte. Mit Werkzeugherstellung bauten sich die Gebrüder Simson einen Ruf auf, der es ihnen erlaubte, auch andere, für sie wirtschaftlich interessantere Bereiche zu erkunden. Gerade Modeprodukte wie das sich massenhaft verbreitende Fahrrad und das aufkommende Auto fanden ihr Interesse. Auch in der Waffenindustrie für den Ersten Weltkrieg war Simson vorne mit dabei.
Weitere Produkte wie Luxuswagen, Jagdgewehre (Suhl als Waffenstadt ist ein idealer Standort) und Kinderwagen wurden in der Folgezeit hergestellt. Durch glänzende Beziehungen zur Regierung schafften es die Gebrüder Simson (mittlerweile die nächste Generation), die Weltwirtschaftskrise gut zu überstehen, aber sich auch den Unmut ihrer Mitbewerber zuzuziehen.
1933 wurde daraufhin ein Verfahren zur Überprüfung der Firma eingeleitet, doch mangels Beweisen wieder eingestellt. Doch Fritz Sauckel höchstpersönlich, Gauleiter in Thüringen, veranlasste mit allen Mitteln die Enteignung der Jüdischen Brüder und führte das Werk der Wilhelm-Gustloff-Stiftung zu. Wieder einmal wurden Waffen für den Krieg produziert. Als Rüstungsbetrieb wurde nach 1945 das gesamte Werk abgebaut und als Reparationszahlung in die UDSSR transportiert.
Erst 1952 wurde das volkseigene Werk VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Suhl gegründet, welches nun mit eigenständig entwickelten Modellen Fahrzeuggeschichte schrieb. Zu den erfolgreichsten Kassenschlagern gehört sicherlich die Schwalbe, aber auch andere Vögel wurden zu beliebten Modellen und gesuchten Liebhaberobjekten wie der Sperber, der Spatz und der Habicht aus den 60ern.
Doch auch die AWO ist vielen noch ein Begriff, und gefahren sind natürlich die meisten die S51, ob als Elektronic, als Comfort oder Enduro. Denn sie war es, die der Inbegriff zum modernen Mofa im Ostblock wurde. Das Oldtimermuseum lädt einen ein, seine eigenen Erinnerungen wieder wach werden zu lassen.
Das Haus ist mit 450 qm Ausstellungsfläche eher klein, aber durch die unnachahmliche Mischung mecklenburgischer Rationalität und schwärmerischer Liebhaberei bei den Inhabern unübertroffen. Stilgerecht übernachten kann man im 20 km entfernten Schlosshotel Wendorf, dessen Besitzer ebenfalls ein begeisterter Sammler alter Automobile ist. Wer Lust dazu hat, kann sich einen sorgfältig restauriertes Cabrio ausleihen und durch die sanfte Schweriner Hügellandschaft brausen.


