7. Sep. 2011

SAVOIR-VIVRE

Schloss Waldeck im Edertal

Destination mit Traum-Blick

Begonnen hat alles mit einer Burg, errichtet auf einem gigantischen Felsen, der sich220 Meter hoch über den Hügeln des heutigen UNESCO Weltnaturerbes Kellerwald-Edersee erhebt. Heute ist Schloss Waldeck eine fabelhafte Gourmet-Adresse.

SAVOIR-VIVRE September 2011
Schloss Waldeck im Edertal: Destination mit Traum-Blick

Bereits im Jahre 1906 wurde der steinerne Koloss zu einem Hotel. Ein solches istes dann auch trotz vieler ups and downs geblieben. Die einst gräfliche Wohnstatt entwickelte sich – vor allem in den letzten Jahrzehnten – zu einer attraktiven Hoteladresse. Natürlich immer wieder geliftet, renoviert und im wahrsten Sinne des Wortes aufgemöbelt. Dann aber setzte die Waldeck´sche Domanialverwaltung, welche seit 1920 die Eignerin ist, noch eins drauf. Vor wenigen Jahren entschloss sie sich, viel Geld in die Hand zu nehmen um das alte Gemäuer den Ansprüchen unserer Tage anzupassen. Die Arbeiten waren 2009 abgeschlossen. Das Ergebnis kann sich sehen und auf die schönste Weise bewohnen lassen. Da wurde wahrlich nicht geknausert und der gesamten Innenausstattung des alten Bauwerks adäquat Rechnung getragen.

Der rote Faden
Die Münchener Innenarchitekten von DBLB haben es mit viel Einfühlungsvermögenverstanden, das Flair in angenehmer, zweckgebundener Weise zu erhalten. Mehr noch – das Material wurde bewusst aus den Ressourcen des Umlandesgewählt. So ist zu erwarten, dass die unvermeidliche Patina die Ausstattung inden 42 Zimmern mit der Zeit gar veredelt. Schiefer, Metalle, Holz, Felsgestein – alles ist sinnreich zugeordnet und mit warmen Farbtönen und geschickter Lichtführung optimal zur Wirkung gebracht. Geradezu eine innenarchitektonische Choreographie, die sich wie ein roter Faden durchs ganze Haus zieht. Durchaus nicht unbeteiligt an dieser optischen wie auch funktionalen Gestaltung war Inhaber und Geschäftsführer dieses Schloss-Ensembles Volker A. Deigendesch. Er hat das Hotel- und Restaurantgeschäft von der Pike auf gelernt, war danach in erstklassigen Häusern engagiert, konnte mit den Erfahrungen seines bemerkenswerten beruflichen Weges beratend tätig sein und in bestem Einvernehmen mit den Ausstattern eigene Ideen einbringen.

Kreative Teamwork
Die kreative Teamwork wird dem Gast bereits klar, wenn er die gut ausgeleuchtete Lobby betritt. Da steht er vor dem in den Raum schwingenden Tresen der halbrunden Rezeption, der damaligen Esse nachempfunden. Und dies in einer Eleganz, die auch in ein Stadthotel passen würde. Bald aber wird er der gewaltigen, steinernen Bögen ansichtig und weiß augenblicklich, wo er sich befindet. Von hier sind‘s nur wenige Schritte bis zum Lift, der ihn zu seinem Heim auf Zeit schweben lässt. Nur so viel zum Wechselspiel vergangener Zeiten mit den Annehmlichkeiten unserer Tage.

Feine Club-Atmosphäre
Uriger Schiefer in den Bädern sucht und findet die Harmonie mit dem Design der Becken und Armaturen. Die überlangen Betten sind generös mit Kissen bestückt. Auch sie vermitteln eine heimelige Atmosphäre– und dem angereisten Gast das Gefühl, angekommen zu sein. Solches gilt gleichermaßen für alle Räumlichkeiten. Das Kaminzimmer beispielsweise hat das Flair eines feinen, amerikanischen Clubs. Seine Behaglichkeit wird noch unterstrichen durch den Kamin. Drinks- , Cocktail- oder andere Getränkewünsche werden vom charmanten Barpersonal erfüllt. Wer sich aber in der Bar gleich nebenan lieber auf einen der Hocker am Tender schwingen möchte – man hat sie in wenigen Schritten erreicht. „Hier hätte sich auch Dean Martin wohlgefühlt“, vermutet sicher nicht zu unrecht der Hausprospekt.

„ein klein wenig glücklicher“
Von der Bar gelangt man sozusagen übergangslos ins Gourmetrestaurant. Man findet die Tische einladend und edel eingedeckt und wird einen ganzen Abend lang fachlich tadels frei von einem aufmerksamen Service umsorgt, der auch die Wege durchs etwa hundert Titel umfassende Weinangebot kennt. Falko Sowinskiist hier der Küchenchef. Er zeigt sich erst dann zufrieden, wenn er mit seinen Kreationen die Gäste „ein klein wenig glücklicher“ gemacht hat. Im Restaurant „Alte Turmuhr“ wechselt das Menüangebot alle zwei Tage. Da wurde uns nach dem Amuse gueule ein vortrefflich geratener Hummer und Taschenkrebs mit jungem Koblauch, Passionsfrucht und Fenchel serviert. Sehr gut der à point gebratene Steinbutt auf schwarzem Reis mit Pfifferlingen. Exzellent auch die gekonnt gemachte Lende und Wange vom Charolais Jungbullen, begleitet von wildem Spargel und Stopfleber-Tortellini. Auf die Spezialitäten vom gut besetzten Käsebrett verzichteten wir zugunsten des Desserts, einer Variation von Erdbeeren, Rhabarber und Valrhona-Schokolade. Nach diesen gaumenschmeichelnden Erlebissen muss über der „Alten Turmuhr“ die SAVOIR-VIVRE-Sonne aufgehen, die durch das kleine „plus“-Zeichen dahinter noch ein wenig heller erstrahlen soll.

Die Terrasse mit ihrem phantastischen Blick auf den Edersee und die dahinter sich erstreckende Mittelgebirgslandschaft wird viel von Tagestouristen frequentiert. Und im „Café Altane“ gleich neben der Terrasse werden hausgebackene Kuchen und regionale Gerichte mit gutbürgerlicher Prägung angeboten. Die Versorgung all der Kurzzeit-Besucher ist Sache von Maître Tobias Schramm, der auch zuständig ist für große Veranstaltungen im Rittersaal, wenn Menüs für viele Gäste angeboten werden.

Kammermusik und Konferenzen
Auf dem Programm stehen allwöchentlich Hochzeiten – nicht selten mehrere– mit zum Teil großer Gästezahl. Zum „Ja-ich-will“-sagen gibt es auf der Burgein romantisches Standesamt. Und wenn zuvor vom Schlosshof die Rede war, auf dem immer wieder viel beachtete Jazz-Konzerte statt finden, dürfen die Veranstaltungen im Rittersaal nicht ausgespart bleiben. Neben Schauspiel wird dort hochklassige Kammermusik geboten oder es kommen berühmte Interpreten,wie etwa Justus Frantz, um einen Klavierabend zu geben. Aber hier kann – oder soll - auch gelehrt, gelernt und konferiert werden. Denn es gibt im Schloss nicht weniger als acht Konferenz- und Tagungsräume. Unterschiedlich groß und mit modernster Technik ausgestattet. Man kann sie je nach Anzahl der Teilnehmer erweitern. Nach Stunden konzentrierten Arbeitens können sich die Seminargäste buchstäblich fallen lassen: Zum Beispiel auf einen der Massagetische von Karina Schmidt. Die Kosmetik- und Wellness-Beraterin entlässt ihre Klientel entspannt (mit einer mediterranen Ganzkörpermassage), fröhlich (nach einem Fußritual) oder auch schöner (nach einer Pfirschich-Mango-Gesichtsbehandlung) in den Alltag. Natürlich gehört zur bestens ausgestatteten Spa-Abteilung auch eine Sauna. Ein Hotel also, das keine Wünsche offen lässt. Und die traumhaft schöne Umgebung ist inklusive.

Wolfgang Schmerfeld