VOM GAST ZUM EIGENTÜMER: UNSER HOTELIER DES JAHRES
Vom Gast zum Eigentümer: Unser Hotelier des Jahres

Der stolze Eigentümer Herbert Ullrich vor seinem Hotel-Gasthof In Amorbach, mit dem sich der gelernte Elektroingenieur einen Traum erfüllt hat. Die Schilder am Eingang weisen auf die Jahrhundertealte Geschichte des Traditions-Hauses hin.
Herbert Ullrich (60) erfüllte sich mit dem „Schafhof" im schönen Odenwald einen Traum.
AMORBACH Diese Idylle ist ein Geheimtipp für Freunde einsamer, frankischer Landschaften und herzlicher Gastfreundschaft: Mitten im traumhaft schönen Naturpark Odenwald liegt versteckt das ehemalige Klostergut „Schafhof: Am Rande des unterfränkischen Städtchens Amorbach - im „Dreiländereck" zwischen Bayern, Hessen und Baden-Württemberg - entstand aus dem Refugium für Mönche ein kleines Hotel mit gemütlichen Restaurants, einer feinen Destillerie - und einer riesigen Schafweide.
Hinter den Kulissen steht Eigentümer Herbert Ullrich. Der 60-jährige gelernte Elektroingenieur arbeitete 37 Jahre lang für einen großen Energieversorger. „Ich war hier schon vor 30 Jahren mit meiner Frau Vera zu Gast", erinnert sich Ullrich. „Als das Anwesen vor zehn Jahren zum Verkauf stand, dachte ich mir, das könnte ich machen", schmunzelt er heute. Und erfüllte sich trotz enormen finanziellen Risikos seinen Lebenstraum. Deshalb wird Ullrich auch heuer ausgezeichnet - mit der AZ-Urkunde für den „Hotelier des Jahres".
An seiner Philosophie hält Herbert Ullrich immer noch fest: „Ich fühle mich in meinem Schafhof nicht als Geschäftsführer, sondern vor allem als Gast." Der „Gast" speist denn auch gern bei seinem Küchenmeister Achim Krutsch, der von Michelin seit vielen Jahren mit einem Stern ausgezeichnet wird und als Spezialist für feine Lammgerichte gilt. Kein Wunder: „Von 24 Hektar Wiese haben wir 19 an zwei Schäfer verpachtet", erzählt Ullrich. Rund um die wunderschön mit Odenwälder Sandstein gebaute Anlage grasen regelmäßig über 500 Schafe.
Ullrich hat sein Haus konsequent auf regionale Bio-Produkte ausgerichtet: Im "Schafhof" feiert die feine heimische Küche eine wahre Renaissance. Die Kräuter werden im eigenen Garten angebaut, das Brot wird selbst gebacken. Pilze kommen aus den Wäldern der Umgebung, und im gepflegten Stall gibt es einen kleinen Raum mit blitzenden Destillerie-Geräten, wo Ullrich sein Brennrecht pflegt.
„Kräuter von der Schafweide" heißt der 32-prozentige Likör, der aus unzähligen Pflänzchen der Umgebung hergestellt wird. „Das Rezept: wird nicht verraten", erklärt Ullrich selbstbewusst. „Das ist ein Geheimnis wie bei Coca Cola." Empfehlenswert ist auch der Renekloden-Brand und die aromatische Schlehe. Die Preise für eine Flasche reichen je nach Sorte von 18 bis 30 Euro.
500 verschiedene Weine lagern in den Tiefen der Anlage. Gefragt ist der Spätburgunder aus dem berühmten fränkischen Rotwein-Gut von Paul Fürst (Bürgstadt). Wer mit der Auswahl (Schwerpunkt Frankenweine aus kleinen Gütern) Schwierigkeiten hat, lässt sich von Sommelier und Restaurant-Chef Jean-Jaques-Lambo-ley ausführlich beraten. Und weil der „Schafhof" einen derart schönen Weinkeller vorzeigen kann, wird der Bayerische Rundfunk dort demnächst eine Fernsehshow zum Thema Wein produzieren - mit Weinkönigin Marlies Dumbsky aus Volkach.
Für sein nimmermüdes Engagement wurde Ullrich kürzlich von American Express mit der von Restaurant- und Hotelgästen vergebenen Auszeichnung „Service-Oase Deutschland" geehrt. Zudem gab es im Rahmen des „Gastronomiepreises Franken 2008" („Für besondere Qualität und Gastfreundschaft") den 1. Platz in der Kategorie Edle Küche. Am 23. März nun erhält Herbert Ullrich von Verbraucherschutzminister Markus Söder die von Abendzeitung und Bayerischem Rundfunk vergebene Urkunde zum „Hotelier des Jahres".
Mancher Gast sieht das Hotel von Ullrich am Rande von Amorbach gar auch als Heimatmuseum - und das mit Recht: Denn der Schafhof wurde 1447 erstmals als Anwesen des Mainzer Kurfürsten Diethrichs erwähnt, war im Besitz des Fürsten Emich zu Leiningen. Vor 30 Jahren wurde die Amorbacher Schäferei zum Restaurant, kurze Zeit später kam das Hotel mit 24 Zimmern und Suiten dazu. Das Restaurant hat eine fast 300Jahre alte Original-Holzdecke, der schönste Platz ist aber an lauen Sommerabenden draußen, mit Blick auf Wiesen, Wälder und Berge. Fast wie in derToskana!
